Kiel - Bergen,
der Törn-Geheimtipp
- Fortgeschrittene
- ca. 540 Seemeilen
- Highlights: Lysefjord, Stavanger, Utsira, Skagerrak, Lymfjord
2024 hieß es: „Kurs Norwegen“ und zwar bis zu den Lofoten. Natürlich kennt jeder die malerische Gebirgskette hoch oben im Norden Norwegens, sei es von zahlreichen Fernseh- oder Internetreportagen oder man war vielleicht selbst schon einmal auf dem Landweg dort unterwegs. Und sicher war es eines der Highlights auf dem diesjährigen Sommertörn mit der Cutting Edge, aber mindestens genauso interessant, sehenswert, herausfordernd und vor allem überraschend waren die einzelnen Etappen bis dorthin. Der Weg ist das Ziel und dies traf auf die Etappe Kiel-Bergen mehr als nur zu. Ein echter Geheimtipp.
Start Kiel-Schilksee
Nachdem die Cutting Edge mit Lebensmitteln voll beladen und die Wasser- und Dieseltanks gefüllt waren, ging es noch am selben Tag los. Mit zunächst kräftigem Wind im Rücken rauschten wir Richtung Dänemark, vorbei an den schmalen Fahrwassern Marstals, Strynøs und Rydkøbing, um schließlich mit der letzten Brise des Tages an einem wunderschönen Ankerplatz vor Lundeborg halt zu machen. Nach einer ruhigen Nacht ging es nächsten Tag gleich weiter. Zunächst hieß es schnell nach Norden zu kommen, denn der Wind sollte immer weiter nachlassen. Bei einem malerischen Sonnenuntergang war der nächste Halt dann in Greena. Am darauffolgenden Morgen war vom Wind wie angesagt keine Spur mehr vorhanden. Aber auch das war kein Problem. Die Sonne schien unablässig vom Himmel und wir motorten gemütlich an Hals vorbei durch den Limfjord bis nach Aalborg. Die Ostsee war spiegelglatt und strahlte in allen erdenklichen Blautönen. Zeit die Weite und die See in vollen Zügen zu genießen.

- Schilksee
- Lundeborg
- Greena
- Hals







Limfjord
Aalborg ist der erste Stopp im Limfjord, wenn man von Osten kommt. Der Limfjord zieht sich einmal quer durch Dänemark und mündet in Thyborøn, dem Tor zur Nordsee. Auch die nächsten beiden Tage war schwacher Wind angesagt, so dass wir beschlossen einen Zwischenstopp in Nykøbing einzulegen, um dann rechtzeitig bei wieder eintretendem Wind in Thyborøn bereit für die Nordsee zu sein.
Der Limfjord ist eine der schönsten Gegenden Dänemarks. Das Fahrwasser schlängelt sich vorbei an Engstellen, von wo aus das Ufer zum Greifen nah ist, um dann gleich wieder in eine große Breite mit kleinen Inseln zu münden. Dazu passiert man viele Klappbrücken. Es ist vielseitiges Navigieren und es gab viel zu sehen, inklusive der ersten Robbe.
In Nykøbing erwartet uns ein idyllischer Hafen mit Grills zur freien Verfügung und herzlichen Dänen, die uns zum EM-Spiel gucken zu sich einluden.
Nächster Halt, das Tor zur Nordsee. Auf dem Weg nach Thyborøn kommen wir an einer Kette von Windkraftanlagen vorbei, vor denen gemütlich zahlreiche Robben auf den Sandbänken in der Sonne fläzen. Thyborøn ist ein für Yachten verhältnismäßig kleiner Hafen mit netten Fischrestaurants und Eisdielen sowie einem feinen Sandstrand. Es gibt zahlreiche Ausflugsboote, die zu den Robbenbänken fahren oder kurz vor dem Hafen Delfine beobachten. Da dies sowohl der Absprunghafen zur Nordsee als auch der Ankunftshafen von der Nordsee ist, herrscht internationales Treiben. Yachten aus Großbritannien, Niederlande, Deutschland, Dänemark, Schottland, Norwegen, Schweiz alles dabei. Außerdem kann man den großen Fischtrawlern, die hier bei jedem Wetter rausfahren, bei ihrer Arbeit zusehen.

- Aalborg
- Nykøbing
- Thyborøn















Nordsee
Die Cutting Edge ist vorbereitet für den langen Schlag über die Nordsee direkt nach Norwegen. Auch der Wind ist zurück und wir planen mit einer Nachtfahrt die Küste Norwegens zu erreichen. Los gehts. Am Abend zuvor konnte man von der Promenade aus Delfine sehen, heute ließen sie sich allerdings nicht blicken. Es weht ein mäßiger Wind und die Sonne lässt uns auch dieses Mal nicht im Stich.
Nordseesegeln ist immer ein spannendes Unterfangen. Hier sieht man ganz andere Dinge als in der Ostsee. Vom größeren Schiffsverkehr mal abgesehen, begegnen einem Seevögel, die mit den Abwinden des Segels spielen und immer wieder im Sturzflug auf uns zu jagen. Je nach Seegebiet sieht man Bohrinseln und zahlreiche Fischerboote. Ein Blick auf die Seekarte verrät weitere spannende Sachen.
Und dann Norwegen! Wir erreichen Egernsund im Morgengrauen. Ein kleiner Hafen relativ weit drinnen in unserem ersten Fjord auf dieser Reise. Dieser soll unsere Zufluchtstelle für den nächsten Tag sein, denn der Wind soll sehr stark aufbrisen. Da es entlang der norwegischen Küste immer wieder sogenannte „Dangerous Sea Areas“ gibt, gönnen wir uns einen Hafentag und schauen uns die kleine Stadt am Egernsund genauer an.

- Nordsee
- Egernsund








Norwegen
Nachdem wir unsere Energiereserven wieder aufgetankt haben, geht es nun erst richtig los. Hinein in die norwegische Fjordlandschaft. Allerdings sind wir noch ein wenig zu weit südlich, daher geht es an diesem Tag erneut raus auf die Nordsee. Mit der noch verbliebenen Dünung von gestern, wird es ein aufregender Ritt entlang der steinigen Küste Norwegens. Der Hafen im Egernsund hat zwei Ausgänge und so fahren wir zunächst durch einen engen Seitenarm des Fjords, um den weiter westlich gelagerten Ausgang zu nehmen. Dies spart Seemeilen. Die Öffnung zur Nordsee zeigt uns anrollende lange Wellen. Segel hoch und raus, hindurch durch den durch Steinen begrenzten natürlichen Ausgang. Die Cutting Edge nimmt mit Leichtigkeit eine Welle nach der anderen und es dauert nicht lange bis wir den Eingang zum nächsten Fjord erreichen. Dort liegt Stavanger, die viertgrößte Stadt Norwegens. Eine Ehrenrunde bis zur Hafenspitze darf dabei nicht fehlen. Es findet dort gerade ein Hafenfest statt. Es riecht köstlich und aus jeder Ecke erklingt Musik. Dennoch scheinen wir die Attraktion zu sein, als wir eine Runde vor der Promenade drehen. Da kann auch der nebenan liegende große Kreuzfahrer nicht mithalten.
Wir suchen uns danach aber einen ruhigen Ankerplatz. Ruhig ist er wirklich, denn wir sind die einzige Yacht, die in diesem ganz verwinkelten Seitenarm liegt.

- Nordsee
- Stavanger
















Lysefjord
Von unserem Ankerplatz ist es nicht weit zum Lysefjord, auch der helle Fjord genannt. Hier ist auch der Preikestolen zu finden, den wir uns natürlich von unten ansehen. Der Fels ist prägnant, aber wir können auch ein paar Touristen dort oben erkennen. Spannender ist es jedoch auf dem Wasserweg. Die Fjorde sind bis zu den Felsrändern so tief, dass wir ohne Probleme bis an die Felsen ranfahren können. Sie sind tatsächlich zum Greifen nah. Wenn man dann an der steilen Felswand nach oben sieht, kommt man sich sehr klein vor.
Es geht noch weiter rein. Von Weitem können wir schon den großen Wasserfall hören. Er ist sehr breit und auch hier kann man ganz nah heranfahren. Der Bug der Cutting Edge ist jetzt mit Bergwasser gesäubert. Kleine Dusche gefällig?
Danach lassen wir uns in der Mitte des Fjords treiben und gönnen uns ein zweites Frühstück.
Unser nächster Ankerplatz für die kommende Nacht führt uns weiter in den nächsten Arm des Fjords. Anders als man in Norwegen erwarten würde, haben wir auch hier traumhaftes Wetter. Vorbei an zahlreichen Fischfarmen begegnen wir nur selten andere Schiffe. Das Wasser spiegelt abwechselnd den Himmel, die Wolken und die Berge wieder.
Plötzlich hören wir eine Art Schauben. Dann noch einmal. Und wieder. Wir blicken an der Backbordseite der Cutting Edge hinunter ins Wasser und trauen unseren Augen nicht. Dort schwimmt ein über vier Meter langer Beluga Wal. Er gleitet mühelos fast regungslos neben uns her und taucht in regelmäßigen Abständen auf. Ein wunderschönes Tier. Schneeweiß, glatt und voller Eleganz. Später finden wir heraus, dass es nicht irgendein Wal ist, denn die wären in der Regel viel weiter nördlich, sondern Hvaldemir, der als Spionagewal betitelte Beluga. Er soll uns noch über Stunden bis hin zum Ankerplatz begleiten. Was für ein Erlebnis.

- Lysefjord









Haugesund
Am nächsten Tag geht die Reise spektakulär weiter. Wir wollen durch Haugesund fahren, um dann nach einem kleinen Stück Nordsee die kleine Insel Espevær zu erreichen. Diese Insel ist besonders. Nicht nur, weil sie sehr klein ist, einen einzigartigen Naturhafen mit einer selbstziehenden Fähre besitzt und sowieso wie aus einer anderen Welt stammend wirkt. Die kleine Insel Espevæer hat einen offiziell, sogar in der Seekarte eingetragenen UFO-Landeplatz. Den wollen wir uns ansehen.
Der Wind hat aufgefrischt. Wir können die ganze Zeit durch die Fjordlandschaft segeln. Die Wasserstraße zieht sich genau durch die Handelsstadt Haugesund. Zu beiden Seiten stehen zahlreiche Häuser, Restaurants, Geschäfte und man kann hier mitten durch fahren. Es gibt überall Liegeplätze und auch Kreuzfahrer dürfen wiederum nicht fehlen. Am Ende geht es wieder hinaus auf die Nordsee. Dieses Mal segeln wir dicht an den scheinbar ins Wasser gewürfelten Felsen vorbei. Das wird nie langweilig. Zwischen all den größeren und kleineren Felsinseln liegt auch die kleine Insel Espevæer. Die Hafeneinfahrt ist zunächst schwer zu erkennen, alles sehr verwinkelt, aber dadurch traumhaft schön.
Espevæer
Auf zum UFO-Landeplatz. Der ist als Touristenattraktion gut beschildert. Der Wanderweg führt durch eine uhrzeitliche Gegend, über Felsklippen, Gewässer und sehr viel Grün. Wir überqueren Brücken und Gestein. Dass wir auf dem richtigen Weg sind, erkennen wir an den Alien-Stofftieren, die immer wieder am Wegesrand auftauchen. Der UFO-Landeplatz ist schließlich eine große grüne Fläche, auf der ein riesiger Ring im Gras zu sehen ist. Angeblich weiß niemand, wie dieser entstanden ist.

- Haugesund
- Espevær











Hardanger
Nächster Halt wieder Inshore. Rosendal im Hardanger Fjord. Leider etwas verregnet, daher konnte man die hohen Felswände nicht zur Gänze ausmachen, aber dennoch nicht weniger beeindruckend. Hier merkt man, dass die Berge deutlich höher werden. Rosendal ist ein sehr beliebter Urlaubsort, nicht nur zu Wasser, auch zu Land. Es gibt viele kleine Läden und das Dorf mit seinen alten Gebäuden und der Baronie ist sehenswert. Ein kleiner Wanderweg führt zu einem nächstgelegenen Wasserfall, an den man ganz nah herankommt.
Am nächsten Tag spielt das Wetter wieder mit und wir fahren durch einen verwinkelte Fjordlandschaft, vorbei an Salmons Eye, einem Museum der Form wie der Name schon sagt, unter Brücken hindurch mit engen Fahrwassern und starken Strömungen bis wir ganz versteckt einen neuen Ankerplatz entdecken. Die Einfahrt ist atemberaubend. Immer wenn man denkt, es geht nicht weiter, ist hinter der nächsten Ecke der nächste Seitenarm.

- Rosendal









Bergen
Nun sind wir schon länger auf 60° Nord und Bergen ist nicht mehr weit entfernt. Letzter Halt vor Bergen ist Strusshamn, ein kleiner Hafen, von hohen Schären umgeben, mit einem Rondel in der Mitte. Schön, dass die Häfen hier alle so unterschiedlich sind. Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens, dementsprechend ist hier im Einzugsgebiet schon deutlich mehr los. Die Abwechslung ist aber angenehm. Von hier aus ist es nur noch ein Katzensprung nach Bergen und am nächsten Tag legen wir relativ früh dort an. Genug Zeit, um sich die Stadt am Wasser anzusehen. Das berühmte alte Hafenviertel gehört ebenso dazu wie der Fischmarkt und die Kulturszene. Den letzten Abend lassen wir es uns hier gut gehen.

- Strusshman
- Bergen











Das, was diese Reise ausgemacht hat, war die Vielseitigkeit. So viele unterschiedliche Eindrücke, so viel unterschiedliche Natur und Gegenden. Eben ein echter Geheimtipp.